Die Nachsorge / Therapie

Wenn Sie wegen einer Brustkrebserkrankung operiert und eventuell auch bestrahlt oder mit Medikamenten behandelt worden sind, ist bei Ihnen nach Abschluss dieser Behandlungsperiode eine Nachsorge über einen Zeitraum von fünf Jahren erforderlich. Auch nach Ablauf dieses Zeitraums sind weitere Kontrolluntersuchungen notwendig. Diese werden jedoch im Rahmen der üblichen Früherkennungsuntersuchungen durchgeführt.

Während der Ablauf der präoperativen Diagnostik, sowie der operativen Behandlung inzwischen in Deutschland klar gegliedert ist, - z. B. S 3 Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Senologie, - gibt es derzeit noch keine einheitlichen Richtlinien über die so genannte Nachsorge.
Die unterschiedlichen Nachsorgenotwendigkeiten richten sich danach, ob Sie mit einem operativen Eingriff bereits primär geheilt sind, oder dann anschließend eine Chemo- und / oder Strahlentherapie benötigten, oder z.B. anschließend auch noch onkoplastisch versorgt werden mussten.
Entsprechend der bereits jetzt in Deutschland bestehenden strukturierten Behandlungsvorschriften (damit führend in der gesamten Welt) für die Diagnostik und operative Therapie des Mammakarzinoms, werden derzeit entsprechende allgemein verbindliche Richtlinien für die entsprechende Nachsorge entwickelt.

Verständlicherweise erscheint es für Sie als Betroffene zunächst unverständlich, warum in einem führenden Industrieland wie Deutschland derzeitige Vorschriften noch nicht bestehen.
Der Vorgang ist sehr komplex, aber ich versuche Ihnen dies in einfachen Worten zu erklären:
Alle Selbsthilfegruppen in Deutschland die sich um das Mammakarzinom und dessen Betreuung bemühen, favorisieren die Empfehlungen der EUSOMA ( European Society for Mastologie). Dies sind Therapieempfehlungen die wünschenswert wären.
In Deutschland ist man den Weg gegangen, dass die dafür zuständigen Gesellschaften, - z.B. Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Gesellschaft für Senologie, etc., - diese "wünschenswerten" Empfehlungen auf die so genannte EBM - Medizin umgesetzt haben ( Evidence Based Medizin = wirksamkeitsgeprüfte Medizin). Dies heißt, dass man weltweit alle Daten in der medizinischen Literatur gesucht hat, um das für Sie nachweislich beste Behandlungsprogramm, gleich ob operativ, chemotherapeutisch, physiotherapeutisch, psychoonkologisch, etc., zu finden. Dieses Behandlungsprogramm soll nachgewiesenermaßen (evidence based) einen Schritt zur Heilung bringen.
Logischerweise ist dies ein zeitlich wesentlich aufwendiger Prozess, als Wunschvorstellung, so erstrebenswert sie auch sein mögen, als Maßstab des Handelns zu wählen.

Das Brustzentrum - DMP in Düsseldorf als Ansprechpartner in seiner Vernetzung bietet Ihnen als betroffene Patientin in der Frage der Nachsorge derzeit somit das an, was in der Medizin als "State of Arts" (derzeitiger international anerkannter Standart) bezeichnet wird.
Wie bereits o. a. angeführt, richtet sich dies selbstverständlich nach Ihrer Primärbehandlung und den danach folgenden weiteren notwendigen Therapien.
Sobald entsprechend verbindliche Richtlinien über den Ablauf der Nachsorgetherapie zwischen den wissenschaftlich zuständigen Gesellschaften und den Kostenträgern (Krankenkassen) geschlossen worden sind, garantiere ich Ihnen, dass diese unverzüglich im nachfolgenden veröffentlich werden.

Bis zu diesem Zeitpunkt gestatte ich mir Ihnen zwei Empfehlungen zu geben :

  1. In allen praktische Sachfragen, z.B. Schwerbehindertenausweis ( als Mammakarzinompatientin bekommen Sie automatisch 50% ), soziale Wiedereingliederung, berufliche Rehabilitation, etc., wenden Sie sich bitte an Ihre Krankenkasse. Diese hat im Rahmen dieser DMP - Programme kompetente Sachbearbeiter und Ansprechpartner dafür vorgesehen.
  2. Kehren Sie zurück ins Leben. Diese Krankheit hinter sich zu lassen und das Leben wieder aufzunehmen, sich erneut Ziele im Leben zu setzen und diese zu verfolgen ist sicherlich ein leicht geschriebener Satz, aber es gibt Hilfe.

Für viele von Ihnen ist aber das Wichtigste, wieder die gewohnten Aufgaben in Familie und Beruf zu übernehmen. Dazu gehören zwei Faktoren:

  1. Als aller erstes Sie, mit der Einsicht, dass die überstandene Krankheit nicht der Mittelpunkt Ihres Lebens ist.
  2. Als zweites, die realen Gegebenheiten der praktischen Bewältigung der auf Sie zukommenden zusätzlichen Aufgaben. Dieser zweite Punkt ist machbar, zeitaufwendig, schwierig aber mit Hilfe der vorhandenen kompetenten Ansprechpartner zu bewältigen. Dazu sollten Sie den Arzt Ihres Vertrauens ( DMP - Arzt / Primärarzt / Hausarzt ) und / oder den Sachbearbeiter Ihrer Krankenkasse ansprechen.

Als Krebspatientin haben Sie die Endlichkeit des Lebens nachdrücklicher erfahren als andere Menschen. Möglicherweise leben Sie in der Folge bewusster und entscheiden klarer, welche Ziele für Sie wichtiger sind und welche weniger. Möglicherweise erleben Sie als Krebspatientin auch viel intensiver, wie wertvoll ein fürsorglicher Umgang miteinander im Rahmen der Familie ist und nicht selten können auch Sie dies Ihrer Familie, Freunden, Arbeitskollegen, etc. vermitteln.
Die Rückkehr zu den Routinen des Alltages, die vielleicht für Sie dann nicht mehr die Routine ist, sondern ganz bewusst erlebt wird, ist ein erster Schritt, dass Leben wieder in Ihre eigene Hand zu nehmen.

Nach den vorher angeführten Einschränkungen, der derzeit noch nicht bestehenden verbindlichen Vorschriften der Nachsorge, gestatte ich mir Ihnen deshalb nachfolgende Empfehlungen im Rahmen der Nachsorge zu geben, die Sie vielleicht sinnvoller weise beachten sollten:

  1. Nützlich für die Organisation und Dokumentation ist das Führen eines Nachsorgekalenders.
  2. Achten Sie darauf, dass die vom Arzt vorgegebenen Nachsorgetermine genau eingehalten werden (wenn nicht das unter Punkt 5 Gesagte zutrifft). Wenn Ihnen bei sich selbst etwas auffällt, machen Sie eine entsprechende Aufzeichnung im Nachsorgekalender. Sie können auch Ihren Arzt bitten, die Ergebnisse der Nachsorgeuntersuchungen im Kalender festzuhalten, wenn Sie es wünschen.
  3. Führen Sie regelmäßig monatlich eine Selbstuntersuchung der nicht behandelten, der operierten Brust und des Operationsgebietes sowie der Achselhöhlen durch. Ihr Arzt zeigt Ihnen die Untersuchungstechnik.
  4. Fragen Sie Ihren behandelnden Arzt nach psychoonkologischen Nachbetreuungsmöglichkeiten sowie nach Anlaufstellen zur Erlernung der Selbstuntersuchung der Brust, - hier in NRW z.B. die Aktion "Sicher fühlen" - oder auch " Mamma care" etc.
  5. Wenn bei Ihnen irgendwelche Beschwerden auftreten, wenn Sie bei der Selbstuntersuchung Auffälligkeiten entdecken oder wenn Sie sich sonst irgendwie krank fühlen, suchen Sie Ihren Arzt baldmöglichst auf. Warten Sie nicht bis zu dem nächsten vorgeplanten Nachsorgetermin.
  6. Wenn Sie keine Beschwerden haben, an sich selbst keine Auffälligkeiten entdeckt haben und wenn auch der Arzt bei der Bewertung Ihrer persönlichen Angaben und seiner eigenen Untersuchungsbefunde keinerlei Verdacht auf das Wiederauftreten der Brustkrebserkrankung hat, sind weitere Untersuchungen nicht erforderlich ( z.B. Ultraschall, Szintigraphie, Blutentnahmen für Laboruntersuchungen ). Die Mammographie wird jedoch in bestimmten Abständen regelmäßig durchgeführt.
  7. Immer dann, wenn sich aus Ihren eigenen Angaben bzw. nach Einschätzung Ihres Arztes irgendwelche krankhaften Veränderungen vermuten lassen, müssen diese genauestens weiter abgeklärt werden. Dann können die unter Punkt 6. genannten Untersuchungen erforderlich sein.
  8. Fragen Sie Ihren Arzt oder lassen Sie sich von ihm an eine entsprechende Stelle verweisen, welche Möglichkeiten zur Erlangung oder Wiedererlangung Ihres seelischen Gleichgewichtes bzw. Ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit zur Verfügung stehen (z.B. Selbsthilfegruppen, Krankengymnastik, Verschreibung von Brustprothesen, Büstenhaltern, Badeanzügen, Beratung über Möglichkeiten des Wiederaufbaus einer operierten Brust, Nachsorgekliniken, Kuraufenthalte, Vergünstigungen nach dem Schwerbehindertengesetz).
  9. Beachten Sie einige allgemeine Regeln: Halten Sie ein normales Körpergewicht bzw. streben Sie dieses an, falls Sie übergewichtig sind. Nutzen Sie bei der Ernährung das breite Angebot der unterschiedlichsten Nahrungsmittel (unter Berücksichtigung Ihres eigenen Geschmacks). Spezielle Diäten (kostspielige sog. Krebsdiäten) bringen Ihnen in Bezug auf Ihre Brusterkrankung keinen Vorteil. Halten Sie die Kontakte mit Familie, Gesellschaft und Arbeitsplatz aufrecht.
  10. Gehen Sie bei der Einschätzung Ihrer eigenen Gesundheit davon aus, dass viele Frauen mit Brustkrebs durch die Operation geheilt sind. Sie haben eine gute Chance, dass das auch bei Ihnen der Fall ist. Sollte es bei Ihnen jedoch in irgendeiner Form zu einem Krankheitsrückfall kommen, bestehen spezielle Möglichkeiten der Behandlung, die durch Ihren Arzt (ggf. in Zusammenarbeit mit anderen Spezialisten) durchgeführt werden können.

 

 

 

 

 

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